Zahl der Phishing-Opfer steigt rapide
Keine verlässlichen Statistiken
Die Zahl der Phishing-Mails, die die bundesdeutschen Email-Postfächer überfluten, reißt nicht ab. Sie werden wie Spam wahllos verschickt. Ihre Urheber variieren ihre Social-Engineering-Methoden und sind auch sonst erfinderisch, wenn es darum geht, potenzielle Opfer auf ihre gefälschten Webseiten zu locken. Anders als in den USA oder Großbritannien liegen derzeit kaum verlässliche Zahlen über das Ausmaß und den Erfolg solcher Angriffe sowie über dadurch ausgelöste finanzielle Schäden vor. Die Kriminalstatistik des Bundeskriminalamts weist Phishing nicht als eigenständigen Straftatbestand aus. Phishing-Angriffe werden hier unter Computerbetrug nach § 263a StGB gelistet und nicht gesondert gezählt.
Phishing-Boom in Berlin und Frankfurt
Allein schon die Tatsache, dass immer wieder neue Phishing-Mails in bundesdeutschen Email-Postfächern auftauchen, deutet erstens darauf hin, dass Phishing weit verbreitet ist und dass diese Betrugsmethode für ihre Urheber zweitens offenbar recht profitabel ist, weil sie auch unter deutschen Internetnutzern genügend Opfer finden, die auf ihre Tricks hereinfallen. Die Polizeibehörden in Großstädten wie Berlin oder Frankfurt bestätigen diese Vermutung. In der ersten Jahreshälfte 2005 sollen allein der Berliner Polizei bereits rund 250 Phishing-Fälle gemeldet worden sein. Für Frankfurt lagen keine konkreten Zahlen vor. Die dort zuständigen Ermittlungsstellen sprechen allerdings bereits von einer Anzeigenlawine. Fast täglich würden neue Fälle zur Anzeige gebracht.
LKA in Kiel plant Expertengruppe
Auch in den norddeutschen Bundesländern Hamburg, Schleswig-Holstein und Niedersachsen werden laut Radiosender NDR Info immer mehr Fälle von Betrug beim Online-Banking zur Anzeige gebracht. „Das ist stark im Kommen“, erklärt Frank Federau vom Landeskriminalamt in Hannover und spricht von dreihundert derzeit anhängigen Anzeigen allein in Niedersachsen, wobei die Dunkelziffer vermutlich noch viel höher liege. Das Landeskriminalamt Schleswig-Holstein baut in Kiel derzeit gar eine Expertengruppe auf, die sich nur mit dem Betrug beim Online-Banking beschäftigen soll.
In den meisten Fällen sind Schäden entstanden
Das Nachrichtenmagazin Focus berichtete bereits Mitte Oktober dieses Jahres, dass den sechzehn deutschen Landeskriminalämtern bis dato mehr als tausend Phishing-Fälle vorgelegen hätten. Der geschätzte Schaden summiere sich in Deutschland auf 4,5 Millionen Euro, wobei Experten davon ausgingen, dass es sich dabei nur um die Spitze eines Eisbergs handele. Das transferierte Geld soll laut Focus durch Stornierung der Betrugsbuchungen zwar teilweise wiederbeschafft worden sein. In den meisten Fällen sei aber ein tatsächlicher Schaden entstanden.
Geringe Aufklärungschancen
Die Herkunft der meisten Phishing-Mails ist laut Frank Federau vom niedersächsischen Landeskriminalamt prinzipiell geklärt. Es sind vor allem Banden aus Osteuropa, die solche Betrugsmails verschicken, erklärte Federau dem NDR. Da diese Betrugsbanden international agieren, sei es schwierig, an die Täter heranzukommen. Die Verhaftung estnischer Phishing-Mail-Betrüger Anfang dieses Monats war deshalb kaum mehr als ein Tropfen auf den heißen Stein. An ihre Stelle treten sofort andere Betrügergruppen mit neuen Phishing-Mails und neuen gefälschten Webseiten.
Zurück zur News-Übersicht
